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Der Spinell: Mehr als Karfunkelstein

Lange hat der Edelstein Spinell ein Nischendasein gefristet und wurde fälschlicherweise mit dem Rubin verwechselt. Nicht nur aufgrund seiner Schönheit und Farbenvielfalt verdient er jedoch mehr Anerkennung. Lassen Sie uns gemeinsam das verborgene Potenzial dieses einzigartigen Juwels erkunden!

Geschichte und Herkunft des Edelsteins Spinell

Das Mineral Spinell zählt zur Mineralklasse der Oxide und verdankt seinen Namen wahrscheinlich den spitzen Spinellkristallen – das lateinische Wort “spina” bedeutet “Dorn”. Allerdings könnte die Bezeichnung auch auf das altgriechische Wort “spínnos”, was “Funke” oder “Glanz” bedeutet, zurückzuführen sein. Der Ursprung des Namens ist nicht vollständig geklärt.

Jahrhundertelang stand der Spinell im Schatten des Rubins. Im Mittelalter wurden sämtliche Edelsteine von roter Farbe als “Karfunkel” bzw. “Karfunkelsteine” bezeichnet. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterschied man Spinell, Rubin und Granat voneinander. Aufgrund dieser Fehlannahme sind viele legendäre Rubine, die in die Geschichte eingegangen sind, in Wahrheit gar keine Rubine, sondern Spinelle. Der “Black Prince’s Ruby” in der britischen Königskrone zum Beispiel ist de facto ein Spinell.

Der Edelstein ist an vielen Fundorten auf der ganzen Welt anzutreffen. Hochwertige rote Spinelle stammen in erster Linie aus Myanmar, Sri Lanka, Madagaskar und Ostafrika. In Österreich ist Spinell unter anderem in der Lölling in Kärnten, im Dunkelsteinerwald in Niederösterreich und in den Hohen Tauern zu finden.

Struktur und Farben von Spinell

Spinell ist sehr hart und im Gegensatz zu Rubin einfach lichtbrechend.

Der Edelstein Spinell gehört zu den Magnesium-Aluminaten, zeichnet sich durch eine kubische Kristallstruktur aus und entwickelt vorwiegend oktaedrische (achtseitige) Kristalle. Die Spinellstruktur ist einer der wichtigsten Strukturtypen in der Mineralogie.

Mit einer Mohshärte von 8 ist der Spinell vergleichsweise hart und weist eine geringe Spaltbarkeit auf. Infolgedessen ist er für die Verarbeitung zu Schmuck ideal, da er wenig anfällig für Kratzer und Abnutzungen ist. Aufgrund seiner Härte und seines hohen Schmelzpunktes wird synthetischer Spinell auch zur Herstellung von Industriekeramik verwendet.

Der Spinell weist eine beeindruckende Vielfalt an Farben auf: von Schwarz über tiefes Blau und Grün, Violett, leuchtendes Rot und Rosa bis hin zu schillerndem Orange und Braun. Die große Bandbreite an Farben ist auf das Vorhandensein verschiedener Spurenelemente zurückzuführen.

Am gefragtesten sind leuchtend rote Spinelle, die ihre Farbe durch Chrom erhalten. Hellroter bzw. blassrosa Spinell wird als “Balas-Spinell” bezeichnet, dunkelroter als “Rubinspinell” und dunkelrote Exemplare mit einem Stich ins Blaue oder Violette als “Almandinspinell”.

Kobalt färbt den Spinell blau, Eisen grün. Eisen in hoher Konzentration führt zur Bildung von schwarzem Spinell, auch unter der Bezeichnung “Pleonast” bekannt. Manchmal hat der schwarze Spinell auch einen Stich ins Grüne oder Braune. Pleonast wird häufig zu Schmuck verarbeitet. Besonders gefragt ist derzeit der leuchtend pinke “Jedi Spinell”.

Wirkung und Bedeutung von Spinell

Neben seinen ästhetischen Vorzügen hat der Spinell auch eine symbolische Bedeutung und in der Steinheilkunde werden ihm heilende Eigenschaften zugeschrieben. Schwarzer Spinell findet oft bei Trauerschmuck Verwendung, rote Exemplare wurden als Symbol für Herrschaft und Kraft in die Kronjuwelen verschiedener Königshäuser eingearbeitet.

Auf seelisch-geistiger Ebene wird dem Spinell ein positiver Einfluss auf die Stimmung und Lebenskraft zugeschrieben. Er stärkt das Selbstbewusstsein, reduziert Stress und Angstzustände und verleiht Durchsetzungsfähigkeit und Ausdauer. Auf körperlicher Ebene soll er Gelenke, Muskeln und Knochen unterstützen, insbesondere Wirbelsäule und Zähne.

spinell

Spinell als Investment

Spinelle mit hoher Reinheit und einem Gewicht über 10 Carat sind sehr selten und gefragt.

Zur Erweiterung eines bereits bestehenden Edelstein-Portfolios ist der Spinell eine attraktive Wahl. Er ist immer noch weit günstiger als der Rubin, doch wir prognostizieren ihm ein starkes Aufholpotenzial für die Zukunft. Als Investment eignen sich reine, klare Steine mit einem Gewicht über 10 Carat.

Beim Kauf eines Spinells ist darauf zu achten, dass es sich um Edelsteine höchster Qualität handelt. Die Farbe sollte möglichst klar und leuchtend und nicht nachträglich verbessert worden sein. Wie bei allen Edelsteinen sind unbehandelte, naturfarbene Exemplare besonders wertvoll. Mit einem Zertifikat eines unabhängigen gemmologischen Labors lässt sich die Echtheit und Qualität von Edelsteinen nachweisen.

Wir gehen davon aus, dass Spinell in den nächsten Jahren einen starken Preisanstieg erfahren wird und daher eine lohnende Investition darstellt.

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Dr. Thomas Schröck
Der Autor:

Dr. Thomas Schröck

ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
THE NATURAL GEM. Der promovierte Ökonom ist u.a. in den USA, der Schweiz, Deutschland und Indien ausgebildeter Gemmologe und gilt mit 30 Jahren Erfahrung im internationalen Edelsteinhandel als führender Experte für naturfarbene, unbehandelte Edelsteine und Edelsteininvestments.

Im Gewinn Verlag erschien dazu auch sein Buch „Edelsteine als Investment“.

 

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