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Zertifikate und die Echtheit von Edelsteinen

Woran erkennt man echte Edelsteine? Für den Laien, aber auch für den Experten, der nicht mit einer vollständigen Laborausrüstung reist, ist es sehr schwierig, Edelsteine auf ihre Echtheit zu überprüfen und korrekt einzuordnen. Noch schwieriger ist die Feststellung von Behandlungen und nahezu unmöglich ist  die Herkunftsbestimmung eines Edelsteins.

Daher sind Zertifikate unabhängiger gemmologischer Labors (Gemmologie = Edelsteinkunde) wichtig. Auch Versicherungsgesellschaften bestehen neben einer Handelsrechnung auf  Vorlage des Zertifikats, um einen Edelstein versichern zu  können.

Edelsteinzertifikate

Ein Edelstein-Zertifikat beinhaltet bzw. belegt folgendes:

  • Edelsteinbezeichnung, bspw. “Rubin” oder “Tansanit”
  • Mineraliengruppe, bspw. bei Rubin Korund
  • Ein Foto, zumeist Vergrößerung
  • Gewicht in Carat (ct.)
  • Abmessungen in mm
  • Information, ob es sich um einen natürlichen Edelstein oder um eine Synthese handelt
  • Farbe, zumeist inkl. Sättigung
  • Information, ob der Edelstein Naturfarbe ist (oder ob bspw. hitzebehandelt)
  • Information, ob der Edelstein anderweitig behandelt ist (bspw. Rissfüllungen, Bestrahlungen, Diffussionsbehandlungen)
  • Wenn in Auftrag gegeben: Herkunft des Edelsteins
  • Bei Diamanten zusätzlich Angaben zu Reinheit, Farbgrad, Fluoreszenz und Qualität von Schliff, Symmetrie und Politur

Vorsicht gilt bei von Händlern oder Juwelieren ausgestellten „Zertifikaten“!  Diese sind in der Regel keine allgemein anerkannten Dokumente. Bei einem Wiederverkauf ist ein derartiges „Zertifikat“ nahezu wertlos.

Bei Farbedelsteinen haben Schweizer Zertifikate, bspw. von der Schweizer Stiftung Edelsteinforschung (SSEF), Swiss Research Gemlab (GRS) oder Dunaigre international den besten Ruf. Bei Diamanten haben international nur Zertifikate der GIA (Gemological Institute of America)

Achten Sie beim Kauf von Edelsteinen auf Zertifikate unabhängiger gemmologischer Labors!

Welche Zertifikate zählen beim Kauf?

Rubin
Blauer Saphir
Smaragd im typischen Schliff
Diamant

Bei Farbedelsteinen existieren zahlreiche Institute und Labors, die anerkannte Zertifikate ausstellen:

  • „Schweizer Stiftung Edelsteinforschung“ (SSEF)
  • „GemResearch Swisslab“ (GRS)
  • Gübelin
  • Dunaigre
  • GIA
  • Lotus
  • International Gemological Institute (IGI)
  • Gemmological Institute of India (GII)
  • Ceylon Gem Lab (CGL)
  • und andere

Bei Diamanten gelten Zertifikate des Gemolgical Institute of America (GIA) und des „Hohen Rates“ der Antwerpener Diamantenbörse (HRD) als die beiden wichtigsten Beurkundungen.  Mit Abschlägen sind hier auch Zertifikate des „International Gemmological Institute“ (IGI) zu nennen.

Die Zertifikate für Diamanten und für Farbedelsteine sind meist ähnlich aufgebaut.

Zertifikate von Farbedelsteinen

Zertifikate für Farbsteine unterscheiden sich je nach ausstellendem Institut im Aussehen.

Auf jeden Fall muss ein Zertifikat enthalten:

  • Name des ausstellenden Instituts
  • Zertifikatsnummer
  • Ein Foto des Edelsteins
  • Die Abmessungen des Steins, inklusive Gewicht, auf hundertstel Millimeter bzw. hundertstel Carat genau, bei manchen Instituten auch auf tausendstel Carat genau
  • Die Mineralgruppe z.B. Korund oder Beryll
  • Den Edelsteinnamen z.B. „Rubin“
  • Die Aussage ob es sich um einen natürlichen Edelstein oder um eine Synthese handelt
  • Die Farbe des Steins (bei einem Rubin ergibt sich „rot“ aus dem Edelstein selbst, z.B. bei einem Saphir wird die Farbe angegeben)
  • Eine Aussage darüber, ob der Stein Naturfarbe, unbehandelt oder hitzebehandelt ist
  • Eine Aussage darüber, ob der Stein anderweitig behandelt ist (z.B. Rissfüllungen, bestrahlt oder Diffusionsbehandelt)
  • Wenn in Auftrag gegeben: die Herkunft des Edelsteins

Die Herkunftsbestimmung kann vom Besitzer des Steins extra beauftragt werden.

Bei einigen Steinen macht sie keinen Sinn: fast alle intensiv gelben Saphire kommen aus Sri Lanka, hier macht die Bestimmung der Herkunft beim Wert keinen Unterschied.

Ganz anders bei Rubin: nachdem im Handel für die Herkunft „Burma“ ein hoher Aufpreis gezahlt wird (umso höher je größer der Stein), ist die Herkunftsbestimmung hier wesentlich.

In Zertifikaten finden sich für Rubine folgende spezielle Anmerkungen zur Farbe:

  • „pigeon blood“ oder „Taubenblut“: die teuerste aller Farben, sie wird nur für Naturfarbe vergeben und erhöht, sobald sie vorliegt, den Preis wesentlich.
  • „intense/vivid red“ oder „intensives/lebhaftes Rot“: dies ist eine Abstufung zu „Taubenblut“ und führt ebenfalls zu einer Preiserhöhung.

Bei blauen Saphiren gibt es zwei international begehrte Farbstufen:

  • „Royal blue“ – diese Bezeichnung für ein dunkles Blau hoher Sättigung mit hoher Brillanz ist die begehrteste und wertvollste
  • „Cornflower blue“ – das berühmte „Kornblumenblau“

Die Kosten eines Zertifikats reichen von rund 30 Euro bei einem lokalen Institut wie in Indien oder Sri Lanka bis hin zu mehreren 1.000 Euro für entsprechend hochwertige und seltene Edelsteine. Der Kaufpreis des Edelsteins hat damit auch einen gewissen Einfluss darauf, welches Zertifikat man bei einem Kauf eines Steins erhält: kostet der Stein beispielhaft 500 Euro, kann der Käufer kein SSEF- oder GRS-Zertifikat erwarten.

Die Herkunftsbestimmung kann vom Besitzer des Steins extra beauftragt werden. Sie ist üblicherweise teuer und beträgt oft 50 % der Kosten eines Zertifikats inklusive Herkunftsbestimmung.

DIAMANTZERTIFIKAT: GIA ODER HRD

GIA Logo
HRD Antwerpen Logo

Die beiden wichtigsten Zertifizierungs-Labors für Diamanten sind das „Gemological Institute of America“ (GIA) und das HRD. Alle anderen Zertifikate führen bei einem Wiederverkauf zu Preisabschlägen.

Früher hat man Diamanten, die zertifiziert wurden, in Kunststoffboxen eingesiegelt. Auf der Plastikbox war die Zertifikationsnummer angegeben und so war der Diamant mit dem Zertifikat verbunden. Dies ist heute nicht mehr state of the art. Heute wird die Nummer des Zertifikats in die Rondiste (die umlaufende Kante des Diamanten) per Laser, mit dem freien Auge nicht erkennbar, mit der Lupe lesbar, eingebrannt. Auf diese Weise ist  die Verbindung zwischen Diamant und Zertifikat hergestellt.

Möchten Sie prüfen, ob das Zertifikat echt ist, geben Sie die Nummer des Zertifikats auf der jeweiligen Website des Edelsteinlabors ein und am Bildschirm erscheint ein Scan des jeweiligen Zertifikats. Selbstverständlich wird nicht der Besitzer des Steins angezeigt.

Ein Zertifikat kann als Teil des Eigentumsnachweises angesehen werden. Auf jeden Fall sollten die Zertifikate von Edelsteinen getrennt aufbewahrt werden.

Einem GIA-Zertifikat wird auch das sogenannte „kleine Zertifikat“ beigelegt. Diese Beilage enthält alle Angaben des großen Zertifikats. Die Idee dazu ist folgende: ein Zertifikat kann auch als eine Art Eigentumsnachweis gesehen werden, daher gibt man ein Zertifikat erst aus der Hand wenn ein Edelstein verkauft und vollständig bezahlt wurde. Möchte man Diamanten verkaufen, geht man nicht mit den Steinen und den Zertifikaten zu einem Händler, sondern zuerst nur mit der Beilage, da auch diese alle Informationen enthält.

Eine Anmerkung zur Größe von GIA-Diamant-Zertifikaten: Ist der Diamant schwerer als 1 Carat, ist der „GIA Diamond Grading Report“ (21,6 x 9,3 cm) beigefügt. Wiegt ein Diamant weniger als 1 Carat, misst das „GIA Diamond Dossier“ 12,8 x 9,3 cm.

Inhaltlich wird im Diamant-Zertifikat angegeben:

  • Zertifikatsnummer
  • Schliff (Brillant, Smaragd-, Oval- oder Prinzessschliff usw.)
  • Maße des Diamanten auf hundertstel Millimeter genau
  • Gewicht in Carat auf hundertstel Carat genau
  • Farbe von D bis Z
  • Reinheitsgrad von FL bis P3
  • Schliffgrad von „excellent“ bis „poor“
  • Politur von „excellent“ bis „poor“
  • Symmetrie von „excellent“ bis „poor“
  • Fluoreszenz von „none“ bis „strong“
  • Sonstige Charakteristika des Diamanten
  • Ein Profil des Schliffs
  • Bei Diamanten, schwerer als 1 Carat, findet sich auch eine schematische Darstellung der Einschlüsse, falls zutreffend

Auf ein Foto eines weißen Diamanten wird in den meisten Zertifikaten verzichtet, da dieses keinen großen Informationswert hätte, wichtiger sind die oben genannten Parameter.

Zertifiziert werden üblicherweise alle weißen Diamanten guter Qualität mit einem Gewicht ab 0,33 ct. Liegt das Gewicht darunter und wünscht der Käufer ein Zertifikat, werden ihm die Kosten für dieses gesondert berechnet.

Bei Farbdiamanten wird die Farbe nicht in der Skala D-Z genannt, sondern die entsprechenden Farbbezeichnungen (bspw. fancy intense yellow). Alle anderen Angaben bleiben gleich. Zertifikate der GIA für Farbdiamanten (GIA Colored Diamond Identification and Origin Report) sind immer 21,6 x 9,3 cm groß.

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Dr. Thomas Schröck
Der Autor:

Dr. Thomas Schröck

ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
THE NATURAL GEM. Der promovierte Ökonom ist u.a. in den USA, der Schweiz, Deutschland und Indien ausgebildeter Gemmologe und gilt mit 30 Jahren Erfahrung im internationalen Edelsteinhandel als führender Experte für naturfarbene, unbehandelte Edelsteine und Edelsteininvestments.

Im Gewinn Verlag erschien dazu auch sein Buch „Edelsteine als Investment“.

 

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