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Pigeon Blood, Royal Blue & Padparadscha – Besondere Farben bei Edelsteinen

Edelsteine kommen in unterschiedlichen Farben oder Farbschattierungen vor. Von diesen sind einige begehrter als andere, was an der Farbqualität und der Seltenheit liegt. Bei Korunden, d.h. Saphiren und Rubinen, gibt es drei besonders begehrte Farben: Königsblau bzw. Kornblumenblau, Padparadscha und Taubenblutrot. Diese begehrteren Farbvarianten eignen sich besonders gut als Investments.

In gemmologischen Zertifikaten werden die Farbbeschreibungen angegeben, wenn das jeweilige Institut eine Skala für die Erfassung der Steinfarbe definiert hat. Auf Bildschirmen, Fotos und Videos sind diese begehrten Farbvarianten schwierig darzustellen, vor allem das Tiefblau des königsblauen Saphirs wirkt meist flacher als in der Realität.

Rot wie Taubenblut – „Pigeon blood“-Rubine

Rubine gibt es in Farbschattierungen von pink bis dunkelrot, auf Latein bedeutet „rubinus“ „rot“. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch alle bekannten Farbschattierungen als rot beschrieben, erst seitdem gibt es eine Differenzierung in Pink und Rot. Die rote Färbung entsteht durch die Beimengung von Chrom im Korund. Die begehrtesten Rubine sind taubenblutrot, auf Englisch „pigeon blood red“ – ein sehr reines Rot mit leichtem Blaustich, das sich von anderen Rotvarianten abhebt. Die Farbe soll angeblich dem Blut einer frisch geschlachteten Taube entsprechen.

Die bekanntesten Fundstätten besonders reiner taubenblutroter Rubine liegen in Burma. Daher werden Rubin dieser Farbe manchmal auch als Burma-Rubin oder Myanmar-Rubin bezeichnet. Aber auch in Vietnam, Mozambique und Tansania gibt es einige Fundstätten, deren Rubine dieser Farbbezeichnung gerecht werden.

Naturfärbige, unbehandelte Pigeon Blood Rubine mit entsprechendem Zertifikat werden zu sehr hohen Preisen gehandelt und eignen sich hervorragend für ein Edelstein-Investment.

1.132 Carat Ruby

Die Königsklasse der Saphire – Kaschmir-Saphir, Kornblumenblau & Royal Blue

Blau ist grundsätzlich die am meisten nachgefragte Farbe bei Saphiren. Das Wort „Saphir“ bedeutet von seinem Sinn her auch „blau“.  Ist lediglich von Saphir ohne weitere Farbbezeichnung die Rede, handelt es sich immer um einen Blausaphir.
Für die Blaufärbung von Saphir ist Titanoxid in Zusammenspiel mit Eisen verantwortlich. Am begehrtesten sind tiefblaue Saphire, die sehr selten sind.

Die im Handel am höchsten bewerteten Saphiren stammen aus dem indischen Kaschmir-Gebiet im Himalaya. Kaschmir-Saphir besticht durch ein tiefes, intensives Blau von außergewöhnlicher Qualität und einem leichten violetten Stich. Die Steine besitzen eine gerne als seidig oder samtig anmutenden Glanz. Leider ist heute ein großer Teil der Kaschmir-Saphire Hitze behandelt.

Als kornblumenblaue oder königsblaue Saphire bezeichnete Steine kommen in erster Linie aus Sri Lanka, daher werden sie auch „Ceylon Saphire“ genannt (nach der alten Bezeichnung für Sri Lanka). Sie zeichnen sich durch eine große Reinheit und sehr wenige Einschlüsse aus. Auch in Burma und Madagaskar wurden schon Steine in einem so satten Blau gefunden, dass sie als königsblau bezeichnet werden.

Für Anlagezwecke sind naturfarbene, unbehandelte Steine mit internationalem Zertifikat und einem lebhaften Blau mit wenigen bis mittleren Einschlüssen empfehlenswert.

Padparadscha – Die Farbe der Lotusblüten

Der Padparadscha ist ein orange-rosa Saphir, Spuren von Eisen und Chrom im Mineral verursachen die Färbung. Der Name stammt aus Sanskrit bzw. dem Singhalesischen, wo „padma raga“ „lotusfarben“ bedeutet. Die Farbe wird auch mit dem Farbspiel bei einem Sonnenuntergang am Meer verglichen. Früher wurden viele Steine mit einer Farbschattierung zwischen Orange und Rosa als Padparadscha bezeichnet, heutzutage schränken gemmologische Labore diese Bezeichnung allerdings auf eine enge Farbspanne von rosa-orange bzw. orange-rosa ein.

Insgesamt gibt es nur wenige Fundstätten, weshalb Padparadscha-Saphire zu den seltensten Edelsteinen gehören. Neben den wichtigsten Fundstätten in Sri Lanka gibt es auch vereinzelte in Tansania, Madagaskar und Vietnam. Padparadscha-Saphire zeichnen sich durch eine durchscheinende bis durchsichtige Transparenz und eine gleichmäßige Farbverteilung aus. Um eine Veredelung der Farbe zu erreichen, werden orange bzw. rosa Steine durch Erhitzen behandelt. Das reine Erhitzen ist als Behandlung zulässig, wird jedoch eine Beryllium-Diffusion hinzugenommen, ist das im gemmologischen Gutachten genau anzugeben. Mit einer Beryllium-Diffusion behandelte Saphire sind wesentlich günstiger als natürlich vorkommende, höchst seltene Padparadschara-Saphire.

Auch für hitzebehandelte Steine sind hohe bis sehr hohe Preise zu zahlen, sehr rasch steigend mit steigendem Gewicht des Edelsteins. Die wenigen nicht gebrannten und naturfärbigen Steine erzielen Rekordpreise.

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Dr. Thomas Schröck
Der Autor:

Dr. Thomas Schröck

ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
THE NATURAL GEM. Der promovierte Ökonom ist u.a. in den USA, der Schweiz, Deutschland und Indien ausgebildeter Gemmologe und gilt mit 30 Jahren Erfahrung im internationalen Edelsteinhandel als führender Experte für naturfarbene, unbehandelte Edelsteine und Edelsteininvestments.

Im Gewinn Verlag erschien dazu auch sein Buch „Edelsteine als Investment“.

 

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