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Nachhaltigkeit bei Edelsteinen: Fair, umweltschonend & transparent?

Nicht alles, was glänzt, ist fair und ethisch unbedenklich. Auch Edelsteine erfreuen zwar das Auge, doch kaum jemand weiß, wie es hinter den Kulissen aussieht: Wie und unter welchen Bedingungen werden die kostbaren Steine abgebaut? Wie steht es um soziale Verantwortung und die globalen Auswirkungen des Edelsteinabbaus auf die Umwelt? Wichtige Fragen in einer Zeit, in der sich Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein von einem Trend zur Notwendigkeit entwickelt haben.

Wie nachhaltig ist die Edelsteingewinnung?

Gleich vorweg eine Entwarnung: Anders als beim Abbau von Metallen kommen bei der Gewinnung von Edelsteinen keine Säuren und kein Quecksilber zum Einsatz. Auch Kinderarbeit ist beim Edelsteinabbau kein Thema – schlicht aus dem Grund, dass Edelsteine größtenteils aus senkundären Lagerstätten stammen (sie befinden sich also nicht mehr am ursprünglichen Entstehungsort, sondern wurden durch Erosion oder Sedimentverschiebungen weitergetragen). Die Arbeit dort besteht aus dem Tragen von großen Lehmsäcken, wofür Kinder – einmal abgesehen von den ethischen Gründen – gänzlich ungeeignet sind.

Hinzu kommt, dass sich – was die Auswirkungen auf die Umwelt betrifft – beim Edelsteinabbau in den letzten Jahren sehr viel getan hat: In den meisten Ländern ist der großmaschinelle Abbau mit schweren Maschinen verboten, die beim sekundären Abbau gebohrten Gruben werden wieder verfüllt, zum Abstützen der Wände wird schnell wachsendes Holz verwendet, das wieder leicht aufforstbar ist, und abgeholzte Bäume müssen wieder aufgeforstet werden.

Mann trägt Körbe mit Steinen über Felsen

Im Gegensatz dazu finden beim Abbau von Diamanten immer noch Großmaschinen Verwendung und Abbau sowie Handel werden von einigen wenigen großen Playern beherrscht. Beim Abbau von Farbedelsteinen dagegen sind vorwiegend lokale Kooperationen relevant. Die Mineralien werden von kleinen privaten Betrieben, Kooperativen oder lokalen Familienverbänden geschürft, wodurch die Menschen, die in dem jeweiligen Land leben und arbeiten, unterstützt werden.

In mehreren Staaten gibt es außerdem verstärkt Bemühungen, die Wertschöpfungskette zu verlängern. In Sri Lanka und Burma hat die Regierung zum Beispiel verfügt, dass vor Ort gefundene Edelsteine auch im Land geschliffen werden müssen.

Auch das Wort “Blutdiamanten” fällt im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Ethik bei Edelsteinen des Öfteren. Nicht erst seit der Hollywood-Thriller “Blood Diamond” in die Kinos kam, ist der Handel mit Blutdiamanten zu einem gesellschaftspolitischen Thema geworden. Blutedelsteine im Allgemeinen sind Steine, die in Krisenregionen abgebaut und mit denen kriegerische Auseinandersetzungen finanziert werden. Um das zu unterbinden, wurde 2003 der Kimberly-Prozess ins Leben gerufen, dessen Teilnehmer sich dazu verpflichtet haben, gewisse Voraussetzungen und Vorschriften beim Handel mit Edelsteinen einzuhalten.

Ein großer ökologischer Vorteil von Edelsteinen ist, dass sie kein Ablaufdatum haben. Anders als zum Beispiel Fast Fashion halten Edelsteine ewig. Man muss sie nicht ersetzen und kann sein Leben lang Freude daran haben.

Optimierungspotenzial gibt es noch hinsichtlich mehr Transparenz und der sozialen Absicherung der Minenarbeiter. Doch auch hier hat sich die Situation in den letzten Jahren wesentlich gebessert.

Tipp: In unserem The Natural Gem Podcast spricht TNG-Gründer Dr. Thomas Schröck in Folge 16 über ethisches Investieren in Edelsteine.

Was sind nachhaltige und ethisch korrekte Edelsteine?

Nachhaltige und ethisch einwandfreie Edelsteine sind solche, die unter Bedingungen gewonnen, verarbeitet und verkauft werden, die sowohl die Umwelt als auch die beteiligten Menschen respektieren und schützen.

Umweltfreundlicher Abbau

Da beim Abbau von Edelsteinen generell keine Chemikalien zum Einsatz kommen, kann mit Recht behauptet werden, dass die Gewinnung von Edelsteinen ökologisch nachhaltig ist. Es werden weder Flüsse und Böden verschmutzt noch die Gesundheit von Minenarbeitern gefährdet. Nach dem Abbau werden die Minengebiete wieder aufgeforstet und rekultiviert.

Faire Arbeitsbedingungen

Wie bereits erwähnt, kommt Kinderarbeit bei der Edelsteingewinnung sowieso nicht vor. Darüber hinaus ist vor allem Sri Lanka (nicht nur) aus sozialer Sicht vorbildlich: Dort sind Betreiber von Edelsteinminen für das soziale Wohlergehen ihrer Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Sie zahlen Arzt- und Krankenhausrechnungen und stellen eine Pensionskasse zur Verfügung. Der Monatslohn eines Arbeiters in den Edelsteinminen beträgt das Doppelte des Durchschnittsgehalts in Sri Lanka.

Transparenter Handel & Rückverfolgbarkeit

Bei Edelsteinen ist die Herkunft im Vergleich zu Gold viel leichter nachvollziehbar. Dadurch lässt sich sicherstellen, dass die Juwelen nicht aus Konfliktzonen kommen und fair gewonnen wurden. Bei etwa 95 % aller Farbedelsteine können Gemmologen bzw. gemmologische Labors aufgrund der Bildungsbedingungen, der Spurenelemente und Einschlüsse feststellen, woher die Steine stammen. Schwieriger gestaltet sich die Herkunftsbestimmung bei Diamanten: Sie bestehen aus Kohlenstoff – und dieser ist überall gleich. Zwar können winzige Spurenelemente in einem Diamanten Hinweise auf seine Herkunft geben, doch eine eindeutige Zuordnung ist nicht möglich.

Wie erkennt man nachhaltige Edelsteine?

Durchsichtiger rechteckiger Edelstein mit Pinzette vor weißem Hintergrund

Während es für Edelmetalle bereits Zertifizierungen für nachhaltigen Abbau gibt, fehlen solche verlässlichen Nachweise für die Gewinnung von Edelsteinen noch. Kompetente Edelsteinhändler verkaufen ihre Juwelen daher nur mit international anerkannten, unabhängigen Zertifikaten gemmologischer Labors. Diese beinhalten nicht nur Informationen wie Edelsteinbezeichnung, Mineraliengruppe, Farbe, Gewicht und Behandlungen, sondern bei Bedarf auch die Herkunft des Steins. In jedem Fall empfiehlt es sich, beim Kauf von Edelsteinen gezielt nachzufragen und einen Anbieter zu wählen, dem Transparenz und Nachhaltigkeit von sich aus wichtig sind.

Wer sicherstellen möchte, dass vom Abbau über die Verarbeitung bis hin zum Transport alles ESG-konform abläuft, der sollte zu Edelsteinen aus Sri Lanka greifen. Seit 2017 ist industrieller Abbau dort verboten, es gibt keine Großkonzerne (viele Minen sind in Familienbesitz), die Wertschöpfung bleibt im Land und während des Abbaus entstandene Löcher müssen mit taubem Material verfüllt werden.

Ethik und Nachhaltigkeit bei The Natural Gem

The Natural Gem ist es ein besonderes Anliegen, nur Edelsteine anzubieten, die unter ESG-konformen Bedingungen abgebaut, geschliffen und gehandelt werden. Vieles, was noch nicht gesetzlich verankert ist, machen wir bei TNG trotzdem schon: Bei uns finden Sie ausschließlich Edelsteine ethisch korrekter Herkunft, die unter fairen und ökologischen Bedingungen gewonnen werden und aus Minen stammen, deren Besitzer das Wohlergehen aller Beteiligten an erste Stelle setzen. Dass wir keinen Handel mit Russland und Afghanistan treiben, ist für uns selbstverständlich.

Wir besuchen selbst die Minen, mit denen wir kooperieren, und überzeugen uns von ihrer Arbeit und den Arbeitsbedingungen. Dementsprechend können wir Ihnen garantieren, dass die Farbedelsteine von The Natural Gem nicht nur von höchster Qualität, sondern auch fair und nachhaltig sind.

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Dr. Thomas Schröck
Der Autor:

Dr. Thomas Schröck

ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
THE NATURAL GEM. Der promovierte Ökonom ist u.a. in den USA, der Schweiz, Deutschland und Indien ausgebildeter Gemmologe und gilt mit 30 Jahren Erfahrung im internationalen Edelsteinhandel als führender Experte für naturfarbene, unbehandelte Edelsteine und Edelsteininvestments.

Im Gewinn Verlag erschien dazu auch sein Buch „Edelsteine als Investment“.

 

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