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Beryll: Mehr als „nur“ Smaragd

Aus der Mineralgruppe des Berylls ist der Smaragd als grüne Varietät wohl am bekanntesten. Aber auch andere Varietäten der Beryll Gruppe sind als Schmucksteine, sowie als Investment gefragt.

Beryll ist ein Beryllium-Aluminium-Silikat mit der chemischen Formel Be3Al2(Si6O18). Mit einer Mohshärte von 7,5 – 8 gehört es zu den härteren Mineralien.

Das Wort „Beryll“ oder auch „Beryl“ geschrieben, wurde sowohl in Sanskrit, im Griechischen und im Lateinischen verwendet. Es ist der Wortstamm des Begriffs „Brillant“, welcher heute vor allem für eine Schliffform des Diamanten steht und sehr oft auch fälschlich als Synonym für „Diamant“ verwendet wird.

Unterschiedliche Farben ergeben die Varietäten

Wie bei anderen Edelsteingruppen auch, bestimmt die Farbgebung eines Steins die genaue Klassifikation. Die unterschiedlichen Farben eines Minerals rühren dabei von verschiedenen Spurenelementen her, die bei der Entstehung eines Edelsteins im Erdinneren beigemengt werden.

Beryll Infografik

Die grüne Varietät des Berylls wird als Smaragd bezeichnet, seine „Geschwistersteine“ mit ähnlichen chemischen Eigenschaften sind der Aquamarin (hellblau), der Goldberyll oder Heliodor (gelb), der Morganit (rosa) und der Goshenit (farblos) sowie der „rote Beryll“.

Die Entstehung von Beryll

Smaragdstufe

Für die Ausbildung von Beryll braucht es in der Erdkruste eine Anreicherung des relativ seltenen Elements Beryllium. Wenn Beryll absolut rein vorliegt, dann ist es völlig farblos (und wird „Goshenit“ genannt). Sind bei der Entstehung bestimmte Spurenelemente vorhanden, können sich die entsprechenden Varietäten bilden.

Der Name „Smaragd“ selbst leitet sich vom griechischen „smaragdos“ ab, was „grüner Stein“ bedeutet. Dieses Grün kommt entweder von Chrom oder von Vanadium. In Hinsicht auf das färbende Element gibt es in der Literatur einen Streit: ursprünglich sagte man, nur durch Chrom gefärbter Beryll sei ein Smaragd, dann fand man heraus, dass Smaragd aus Kolumbien auch Vanadium enthält; heute philosophiert man in Expertenkreisen darüber, ob durch Eisen gefärbter Beryll eben ein Beryll oder doch ein Smaragd ist.

Insgesamt ist Beryllium auf der Erde sehr selten. Chrom und Vanadium sind ebenfalls sehr selten. Dass Beryllium zusammen mit Chrom und/oder Vanadium vorkommt ist daher noch seltener. Dazu kommt, dass geologisch und mineralogisch die Wachstumsbedingungen für Smaragd sehr turbulent sind, daher auch die verhältnismäßig vielen Risse und Einschlüsse im Stein selbst.

Der Chromgehalt im Stein kann bis zu einige Prozent erreichen, wobei dadurch Farbabstufungen im Smaragd von gras- und hellgrün über leuchtendes bis zu kräftigen, aber stumpfem Grün geben kann.

Je nach Fundort variiert im Übrigen das spezifische Gewicht sowie die Lichtbrechung des Smaragds. Anhand dieser beiden Faktoren sowie anhand der Einschlüsse kann die Herkunft eines Smaragds relativ leicht bestimmt werden.

Weitere Varietäten von Korund

Neben dem Smaragd als grüne Varietät von Beryll, ist vielen wohl auch der Aquamarin als blaue Ausprägung bekannt.
Seinen bläulichen, teils ins blaugrün gehenden Farbton erhält der Aquamarin von beigemengten Eisen-Ionen. Auch der Name verweist auf den Ton von Meerwasser, lateinisch „aqua marina“. Im Gegensatz zum Smaragd ist Aquamarin eine relativ häufig vorkommende Beryll-Varietät.

Auch der gelbe Goldberyll, auch als Helidor bekannt, bekommt seine Färbung, wenn Teile des Aluminiums im Kristallgitter durch dreiwertiges Eisen ersetzt wird. Seine Färbung reicht von einem zarten Hellgelb über sattes Goldgelb bis zu einem gelblichen Grün.

Roter Beryll, früher meist als “Bixbit”, seltener auch roter Smaragd bezeichnet, ist die rote Ausprägung des Berylls.
Die rötliche Färbung – sie reicht von Rosa über Orange bis zu Dunkelrot – bekommt der rote Beryll, wenn Teile des Aluminiums im Kristallgitter durch Mangan ersetzt werden. Der rote Beryll ist die seltenste Varietät des Berylls, was ihn auch als Anlagestein interessant macht. Die gefragteste Farbe ist dabei ein sattes „Stoplight“ genanntes Rot.

Auch beim Morganit ist Mangan das farbgebende Spurenelement. Die Farbe der auch „Rosenberyll“ genannten Varietät ist aber stets Rosa, welches von einem fast farblosen Rosa bis hin zu hellviolett reichen kann.

Fehlen dem Beryll die farbgebenden Atome liegt die farblose Variante des Minerals vor, die auch als Goshenit bezeichnet wird. Weil diese Varietät relativ unbekannt ist, wird Goshenit im Handel gerne auch als Weißer Aquamarin oder Weißer Beryll angeboten.

Synthetische Herstellung von Korund

Eine Unterscheidung von natürlichen und synthetischen Beryll im Labor ist möglich.

Erste Arbeiten zur Synthese von Beryll und damit von Smaragd gab es schon in den Jahren 1848, 1880 und 1900.

Die Grundmaterialien Beryllium-, Aluminium- sowie Siliziumoxide werden – je nach Verfahren mit oder ohne Druck – aufgeschmolzen und kristallisiert.

Natürlicher Smaragd enthält auch immer Wasser, Synthesen nach dem Flussmittelverfahren sind komplett wasserfrei, jene nach dem Hydrothermalverfahren beinhalten Wasser mit Eigenschaften unterschiedlich von natürlich eingeschlossenem Wasser. Daher ist die Unterscheidung „Natur“ und „Synthese“ im Labor möglich.

Verwendung von Beryll

Beryll wird in erster Linie als Schmuckstein verarbeitet. Während Smaragd und Aquamarin meist im klassischen Smaragdschliff geschliffen werden, finden sich Goldberyll, roter Beryll oder Morganit auch in Rund- und Ovalschliffen oder in Tropfenform.

Der Smaragd ist als einer der „großen 4 Edelsteine“ ein klassischer Anlagestein. Aber auch Aquamarin hat in den vergangenen Jahren deutliche Preissteigerungen erfahren.
Roter Beryll ist sehr gefragt, schöne Steine im Farbton „Stoplight“ mit über 1 Carat erzielen hohe Preise.

Wie die meisten Edelsteine werden den verschiedenen Varietäten von Beryll in der Esoterik auch bestimmte Kräfte nachgesagt, sodass Edelsteine aus der Beryll-Gruppe auch als Heilsteine verkauft werden.

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Dr. Thomas Schröck
Der Autor:

Dr. Thomas Schröck

ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
THE NATURAL GEM. Der promovierte Ökonom ist u.a. in den USA, der Schweiz, Deutschland und Indien ausgebildeter Gemmologe und gilt mit 30 Jahren Erfahrung im internationalen Edelsteinhandel als führender Experte für naturfarbene, unbehandelte Edelsteine und Edelsteininvestments.

Im Gewinn Verlag erschien dazu auch sein Buch „Edelsteine als Investment“.

 

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