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Edelsteinschliffe: Schliffarten & Schliffformen

Bei Edelsteinen möchte man vor allem zwei Dinge: ausgezeichnete Farbe und ein starkes Funkeln. Auf Grund des zweiten Punktes begann man sehr früh, Steine zu polieren. So etwas wie ein „Schliff“ war aber bis etwa zum Jahr 1400 unbekannt.

Gängige Schliffformen

Der Grund war ein sehr einfacher: Diamant war zu hart, um geschliffen zu werden, außerdem stand besonders in Indien der Glaube, dass der Stein seine mythische Kraft verliere, wenn er bearbeitet würde, einem Edelsteinschliff entgegen. Auch Korund und Beryll sind so hart, dass sie lediglich poliert wurden.

Dann wurde eine Bearbeitung namens „holländische Rose“ gefunden: ein flacher rückwärtiger Boden, die Oberseite des Steins halbkreisförmig gewölbt und auf dieser Wölbung wurden einzelne „Facetten“, also Schliffflächen, angebracht.

Erst nach und nach entwickelten sich Schliffe, bei denen Vorder- und Rückseite eines Steines bearbeitet wurden. Die berühmtesten sind heute der Rundschliff mit seiner Idealform, dem „Brillanten“ (bei Diamant), dann Oval-, Smaragd-, Baguette-, Herz-, Kissen-, Marquise– und Princess-Schliff sowie einige sich daraus ergebende gemischte Schliffformen.

Es gibt am Markt noch weitere, teilweise sehr exotische Schliffformen, von denen manche von  Unternehmen entwickelt wurden. Solche Steine sind schön anzusehen, bei einem Wiederverkauf kommt es aber stets zu Preisabschlägen gegenüber den gängigen “Cuts”.

Warum ein bestimmter Schliff gewählt wird, hat zwei Gründe: erster und wichtigster ist die Form und Proportion des Rohsteins und seine existierenden optischen und mineralogischen Achsen. Der zweite Grund ist, dass von Endkunden und Investoren bestimmte Schliffformen erwartet werden.

Besondere Edelstein-Schliffformen

Smaragdschliff

Der Smaragdschliff wurde eigens für seinen namensgebenden Edelstein entwickelt: Smaragd ist verhältnismäßig spröde, daher wurde für ihn  ein Schliff entwickelt, der abgeschrägte Kanten aufweist.

Eine weitere Besonderheit stellt der Cabochonschliff dar. Dieser verfügt über eine glatte oder leicht gewölbte Basisfläche. Die Oberseite des Steins wird halbrund geschliffen und dann poliert. Der Cabochon ist daher kein Facetten-, sondern ein Glattschliff.

Ein Stein wird dann als Cabochon geschliffen, wenn:

  • der Stein opak (undurchsichtig) oder transluzent (durchscheinend) ist und/oder
  • wenn Asterismus (Sterneffekt) oder Chatoyance (Katzenaugeneffekt) gut zur Geltung gebracht werden soll und/oder
  • wenn das Rohmaterial für einen Facettenschliff zu viele Einschlüsse aufweist.

Im  Anlagebereich der Edelsteine spielt der Cabochonschliff außer im Randgebiet der Sternrubine und Sternsaphire keine Rolle.

Schliffarten bei Farbedelsteinen

Rubin

Bei Rubin ist man im Anlagebereich mit dem Oval- oder Kissenschliff am besten beraten. Ein Rundschliff wird mit Preisaufschlägen von 10-20 % bewertet. Ein Smaragdschliff ist bei Rubin eher selten. Alle anderen Schliffe (z.B. Herz- oder Marquiseschliff) haben im Anlagebereich kaum Bedeutung, sehr wohl aber in der Schmuckverarbeitung.

Blauer Saphir im typischen Ovalschliff

Saphir

Der gefragteste Schliff beim blauen, gelben und pinken Saphir sind ebenfalls ein Oval- oder Kissenschliff, gefolgt vom Smaragdschliff bei großen Steinen. Alle anderen Schliffe haben im Anlagebereich wenig Bedeutung.

Smaragd im typischen Schliff

Smaragd

Wie der Name schon sagt erwartet man beim Smaragd den wohl berühmtesten Treppenschliff, den Smaragdschliff, gefolgt von Oval- und Kissenschliff.

Diamantschliff

Der europäische Diamantschliff entwickelte sich aus der sehr einfachen Methode, die Spitze des natürlichen Diamant-Oktaeders abzuschneiden und die Flächen zu polieren. So entstand im 15. Jahrhundert der Tafelschliff mit 9 bis 10 Facetten. Auf diesen folgte der „Rosenschliff“ mit 12 bis 48 Facetten im 16. Jahrhundert. Ab Ende des 17. Jahrhunderts wurde dann der Vorläufer des modernen Brillantschliffs, der Altschliff, entwickelt. Hier stieg Zahl der Facetten beim Mazarinschliff mit 16 Facetten im 17. Jhdt. weiter zum Peruzzischliff mit 32 Facetten im 18. Jhdt, welcher bis Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet wurde. Um 1920 wurde er dann langsam vom modernen Brillantschliff abgelöst.

Beim Diamanten ist für Steine ab 0,5 ct. Gewicht, also dem Beginn der Anlageklasse, immer der Brillantschliff empfohlen; er ist am leichtesten zu verkaufen und wird auch bevorzugt zu Schmuck verarbeitet. Für größere Diamanten ist auch der Smaragdschliff sehr beliebt, da ab einem Gewicht von 10 ct. der Brillant zu hoch wird.

Alle anderen Schliffe werden beim Diamanten mit einem Abschlag gegenüber dem Brillantschliff gehandelt. Nehmen wir an, sie kaufen einen Diamanten gleicher Größe und gleicher Einschluss- und Farbqualität, also zum Beispiel 1 ct. H/SI1. Dann wird ein Brillantschliff immer um rund 25 – 35% teurer sein als ein Stein gleicher Qualität, zum Beispiel im Ovalschliff. Das gleiche gilt selbstverständlich auch, wenn Sie diesen Stein wieder verkaufen möchten.

Eine Ausnahme bilden beim Diamanten die Fancy Diamonds (Farbdiamanten). Hier akzeptiert man jede Schliffform, welche die Farbe des Steins sowie sein “Feuer” zur Geltung bringt.

Brilliantschliff
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Dr. Thomas Schröck
Der Autor:

Dr. Thomas Schröck

ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
THE NATURAL GEM. Der promovierte Ökonom ist u.a. in den USA, der Schweiz, Deutschland und Indien ausgebildeter Gemmologe und gilt mit 30 Jahren Erfahrung im internationalen Edelsteinhandel als führender Experte für naturfarbene, unbehandelte Edelsteine und Edelsteininvestments.

Im Gewinn Verlag erschien dazu auch sein Buch „Edelsteine als Investment“.

 

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